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Soledades, das ist die Poesie der Einsamkeiten. Abgeleitet vom andalusischen Soleares (= Einsamkeiten) war es lange Zeit die Bezeichnung für eine der beliebtesten Formen des spanisch-andalusischen Volksliedes von zumeist stark individualistischer, melancholischer Stimmung; später wurde die Bezeichnung auch zum häufig verwendeten Titel lyrischer Sammlungen herangezogen. Aber erst viele Jahre später sollten die schwarzen Landarbeiter auf den Baumwollfeldern des amerikanischen Südens den Blues als ähnlich geartete musikalische Umschreibung ihrer Knechtschaft und Sehnsucht nach der Freiheit verwenden.

Im Deutschen findet sich für dieses melancholisch geprägte Genre kaum eine analoge Entsprechung und verweist doch damit zugleich auf ein fehlendes - oder doch zumindest recht stiefmütterlich behandeltes - kulturelles Erbe, das bezeichnenderweise die Musik als Träger von Empfindungen wählt. "Musik", so schrieb der russische Schriftsteller Leo N. Tolstoi, "ist die Stenographie des Gefühls." Soledades versucht das unvollständige Skript wieder zu vervollständigen und bedient sich - ähnlich entwurzelt - ebenfalls der Sprache der versklavten Landarbeiter.

Die eigenwilligen Songs vermischen in ihren minimalistischen Arrangements sowohl spanische als auch bluesige und moderne Stilelemente zu einer neuen musikalischen Einheit, die, von den lyrischen Texten getragen, wie die Boten einer längst vergessenen Empfindung erscheinen. Sie hinterlassen das untrügerische Gefühl, dass unsere Seele dadurch um einiges schwerer, aber auch um so vieles reicher wurde.

 

   
 

© 2005, by Soledades